Kurzgeschichten kindlig konvertieren

Ich wollte erst “kindlieren” in den Titel schreiben, aber man muss es ja auch nicht übertreiben.
Ein kleines Tutorial zur optimalen Konvertierung von Kurzgeschichten in ein kindle-freundliches Format.


Mittlerweile habe ich die Kurzgeschichten bis zu sechs Mal neu bei Amazon hochgeladen. Mal habe ich einen Rechtschreibfehler zu spät entdeckt, mal stimmte etwas mit dem Titelbild nicht.
Meistens war ich aber mit der Formatierung des Textes unzufrieden, dazu wollte ich unbedingt das Cover in der Kindle-Datei haben – das ist das eigentliche Geheimnis, das hier gelüftet werden soll.

Es gibt ein paar Quellen im Netz, die, teilweise sehr umfangreich, darüber informieren, was zu tun oder lassen sei. Der Smashwords Style Guide von Mark Coker z.B. geht sehr detailliert auf das ein, was vor dem Hochladen bei Smashwords geschehen muss und viele seiner Tipps sind auch für den Amazon-Selbstverleger brauchbar. Es gibt aber Unterschiede: Bei Amazon können Seitenumbrüche in der Datei stehen, bei Smashwords nicht; das scheint mir der wichtigste zu sein.
Wolfgang Tischer vom Litereaturcafe hat es mit seinen 10 Tipps schon zu einer Erwähnung bei Spiegel Online gebracht, die hier verlinkte Online-Version will ich zu Tipp #4 ergänzen. Tischers Lob der Hilfe von Amazon ist gerechtfertigt, aber auch dort muss man lange suchen.

Deshalb, nach langer Einleitung, das Wichtigste in Kürze:
Sie sollten über ein Programm verfügen, dass DOC-Dateien schreiben kann – Microsoft Word, Papyrus Office oder Autor, Open Office… Im Weiteren wird MS Word 2007 behandelt. Ich hatte wenig Lust, mir für diesen Artikel etwas anderes zu installieren.
Die erste Seite Ihres Dokumentes enthält Titel, Autorenname und Copyrighthinweis, evtl. Link zur Homepage, Facebookseite, Dank an die Mama, Verweis auf den Coverkünstler. Üblicherweise zentriert, der Titel fett und etwas größer.
Dann fügen Sie einen Seitenumbruch ein.
Danach folgt die eigentliche Geschichte. Dabei ist zu beachten, dass die Einzüge korrekt gesetzt sind: Der Erstzeileneinzug (schwarzer Pfeil im Bild unten), um die Absätze besser zu trennen, klar. Aber auch der hängende Einzug (roter Pfeil) verdient Beachtung – sitzt er nicht am Seitenrand, erscheint der Text später im Kindle ein Stück nach rechts versetzt, und zwar erheblich weiter, als das in Word noch der Fall ist.
Ich markiere dann den gesamten Text und stelle den Zeilenabstand (blauer Pfeil) auf 1,5 ein.

Wie Sie sehen, ist Times New Roman die Schrift meiner Wahl, Größe 12 Punkt. Da der Leser die Schriftgröße und -art an seinem Gerät selber wählen kann, sind Sonderwege an dieser Stelle überflüssig.

Sollen Szenen getrennt werden mache ich das mit Absatz, Asterisk, Absatz.

Nach der Geschichte folgt ein weiterer Seitenumbruch, dann hänge ich (kursiv, zur besseren Unterscheidung von der Geschichte) ein paar kurze Sätze über den Autor an und – wichtig! – die Quelle weiterer Texte, in meinem Fall ein Link zur Prosaschleuder-Website.

Beim Speichern empfiehlt es sich nach meiner Erfahrung, erst eine DOCX-Datei anzulegen, dann eine DOC. DOCX ist das aktuelle Word-Format (ab 2007), DOC ist kompatibel zu den Word Versionen von 97 bis 2003. Verzichtet man auf die DOCX, wird die DOC-Datei unverhältnismässig groß. Warum? Fragen Sie nicht mich, fragen Sie Herrn Gates.

Das Cover wird nicht in die DOC-Datei eingefügt! Das kommt erst im nächsten Schritt: Die Datei wird in den Mobipocket eBook Creator importiert, “Import from existing file”. Ich mag nicht auf die Einzelheiten eingehen oder den halben Creator übersetzen, aber nach Auswahl der Datei, Angabe des Zielordners und klicken von “Import” landen Sie auf einem Bildschirm, der links verschiedene Optionen zur Auswahl bietet. Die wichtigsten sind Cover Image (aha!) und Metadata.
Nach dem Einfügen des Covers (optimale Größe: 600×800 Pixel) müssen Sie unten “Update” klicken, bevor Sie rechts z.B. auf Metadata wechseln. Die Eingaben dort müssen ebenfalls mit “Update” bestätigt werden.

Wenn das alles ausgefüllt und eingefügt ist, wählen Sie oben “Build”, stellen Sie die Parameter wunschgemäß ein und klicken Sie den Schalter. Anschließend können Sie Ihr Werk im Mobipocket Reader bewundern. Der Reader sieht dem “Kindle für PC”-Reader wohl nicht ohne Grund sehr ähnlich: Laut Herrn Tischer verwendet Amazon ein “verschlüsseltes Mobipocket-Format”, man darf annehmen, dass der Kindle Reader entsprechend Mobipocket unter der Haube hat.

In dem vorher festgelegten Ordner hat der Creator eine Reihe Dateien erstellt, die wichtigste ist die mit der Endung PRC. Die laden Sie jetzt bei Amazon hoch, anstelle einer DOC. Achtung: Die Online-Buchvorschau nach dem Hochladen zeigt das Cover nicht an; lassen Sie sich davon nicht irritieren! Das Titelbild, das Sie bei Amazon hochladen sollen, bleibt von diesem Vorgang unberührt, das handhaben Sie wie gewohnt.

Der Witz an der ganzen Sache ist der: In der PRC-Datei ist das Titelbild so eingebunden, dass es in der Leseprobe oder nach dem Kauf einmal auf dem Kindle (oder anderen Reader) erscheint, automatisch auf die optimale Größe skaliert. Wenn Sie das Cover in die DOC-Datei einfügt haben und diese DOC in Mobi importieren, erscheint es zweimal; binden Sie es nicht ein, kommt es auch nicht rein, logisch. Laden Sie eine DOC mit eingebundenem Cover hoch, wird dieses Cover nicht, oder nur bescheiden, skaliert.

Erstaunlicherweise haben auch professionelle Verlage das noch nicht kapiert – laden Sie sich Leseproben der aktuellen Bestseller runter, egal ob deutsch oder englisch, das Cover erscheint bei etlichen Büchern zweimal oder gar nicht in der Probe. Ohne jetzt auf einen allzu großen Haufen Kacke hauen zu wollen: Nach dem Umweg über den Mobipocket Creator kann der Selbstverleger ein – in dieser Hinsicht – professionelleres Produkt anbieten als die großen Verlage.

Ich wollte kurz ein paar wichtige Schritte aufzeigen, wie beim Konvertieren von Kurzgeschichten ins Kindle-Format ein optimales Ergebnis erzielt werden kann. Ich habe hoffentlich die Fragen hier diskutiert, auf die ich selber keine Lösung im Netz gefunden habe.
Wenn ich noch andere Aspekte besprechen oder hier und da etwas mehr ins Detail gehen soll, teilen Sie mir das bitte in den Kommentaren mit. Es wird hier aber keinen Word- oder Mobi-Kurs geben – klar, oder?

In einem späteren Artikel werde ich auf die Konvertierung umfangreicherer Texte eingehen, inklusive Inhaltsverzeichnis – aber das sind Erfahrungen, die ich selber noch machen muss…

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