Sep 142012
 

Michael Eichendorf, Archivar beim Verfassungsschutz, soll Kontakt mit dem Verkäufer einer Stasi-Akte aufnehmen, aber der Mann wird ermordet. Und er ist nicht der letzte Tote…

Was steht in dieser Akte? Was macht sie mehr als 20 Jahre nach dem Ende der DDR noch so brisant, dass Menschen dafür sterben müssen? Was wird am Tag der Deutschen Einheit passieren?

Auf der Suche nach Antworten kommt Michael auf die Spur einer mörderischen Verschwörung, die Deutschland in seinen Grundfesten zu erschüttern droht. Zur Seite steht ihm nur eine ebenso attraktive wie skrupellose Leibwächterin. Aber wie weit reicht deren gekaufte Loyalität?
 

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 Posted by at 17:56
Mrz 172012
 

Der Patriarch eines Unternehmens für Spezialtransporte legt sich mit sizilianischen Geschäftsleuten an. In weiteren Rollen: Ein Delta Integrale, drei M5 und ein Apache.

Kurzgeschichte, ca. 6200 Wörter, 0,99 €, zu finden hier

“Guten Tag, mein Name ist Bernhard Schneider, ich bin für vierzehn Uhr mit Herrn Foglio verabredet …”

Renata Balduzzi warf wieder einen verstohlenen Blick auf den älteren Herren, der sich vor einer Viertelstunde mit diesen Worten vorgestellt hatte und nun in ihrem Vorzimmer saß. Er war Mitte sechzig, etwa einen Meter achtzig groß, schlank und trug an diesem warmen Oktobertag noch einen hellbraunen Sommeranzug. Renata war der Mann auf Anhieb sympathisch gewesen, alleine schon, weil er in deutlichem Kontrast zu den üblichen Besuchern ihres Chefs stand, die oft zwar das Alter mit Herrn Schneider gemeinsam hatten, aber meist großspurige Lautsprecher waren, mit gefärbten Haaren oder billigen Toupets, grell-pastellfarbenen Anzügen und bis zum Bauchnabel geöffneten Hemden, damit auch ja das radkappen-große Medallion auf der viel zu behaarten Brust zur Geltung komme. Diese Leute hatten, wenn sie einmal zwei Minuten warten mussten, stets mit einem theatralischen Blick auf die teure Armbanduhr (oder eine billigere Kopie) ihre Zeitnot und die eigene Wichtigkeit geltend gemacht. Dann hatten sie ihren Charme spielen lassen, oder was sie dafür hielten, meist anzügliche Bemerkungen gemacht, die voraussetzten, dass Renata, der bei soviel geballter Männlichkeit natürlich der Verstand stillstehen musste, sich ohne Widerstand als Lustsklavin zur Verfügung stellen würde; und wenn Renata unvorsichtig genug war, wurde sie unweigerlich von großzügig beringten Primatenhänden in den Hintern gekniffen. Sie hatte immer sehr zufrieden beobachtet, wenn Guiseppe und Carlo und Luigi und wie sie alle hießen, von ihrem verstorbenen Chef zusammengestaucht worden waren und anschließend bleich und stumm an ihr vorbeihasteten, sich dabei den Schweiß von der Stirn wischten, den bitteren Geruch der Angst aus allen Poren verströmend; da nutzte auch all das AfterShave nicht, obwohl es morgens offensichtlich in einer Menge geflossen war, in der man auch ein kleineres Haustier hätte ertränken können.

Herr Schneider hatte sich dagegen ohne Murren in den Sessel gesetzt, den sie ihm angeboten hatte, ein Taschenbuch aus seiner Aktenmappe gezogen, las darin, ohne ein weiteres Wort zu verlieren und überließ Renata ganz den Tiefen von WordPerfect 5.1. Selbst, als sie endlich den Brief fertig geschrieben hatte, ihn von ihrem Computer an den Typenraddrucker schickte und der dann mit dem üblichen, lauten Knattern seiner Arbeit nachging, hob Herr Schneider nur kurz den Kopf, zuckte die Schultern und bedachte Renata mit einem Lächeln, das wohl heißen sollte: “Was will man machen – so klingt der Fortschritt …” Dann widmete er sich wieder seinem Buch; gelegentlich tastete seine Hand nach dem kleinen Davidstern, den er an einer schlichten, dünnen Kette um den Hals trug und seine schlanken Finger schienen, ohne, dass es ihm bewusst war, zu prüfen, ob noch alle Spitzen hinreichend piekten.

Nach weiteren fünf Minuten knarzte es endlich aus der Sprechanlage: “Herr Schneider kann jetzt herein kommen!” Er nickte ihr kurz zu und trat in das Büro ihres neuen Chefs.

 

“Herr Schneider, was für eine Freude, Sie persönlich zu begrüßen! Mein Name ist Antonio Scholl.” Der schlaksige Mann mit der hohen Stirn und der dünnrandigen Brille begrüßte ihn mit einem entschlossenen, aber nicht zu festen Händedruck und begleitete ihn von der Tür zum Schreibtisch seines Chefs. Das enorme Möbel war vor einer Fensterwand platziert, die einen großartigen Ausblick über die Innenstadt gewährte. Der alte Don hatte sich wahrscheinlich oft genug diesem Panorama gewidmet und überlegt, wie er die Teile der Stadt, die er von hier aus nicht sah, auch noch unter seinen Einfluss bringen konnte. Zu beiden Seiten der Fensterwand stand je ein Leibwächter, hünenhafte, finstere Gestalten, der aktuellen Mode trotzend in der Tracht ihrer Zunft gekleidet, dem schwarzen Anzug.

“Darf ich vorstellen: Don Roberto Foglio …”

Der Mann hinter dem Schreibtisch machte sich nicht die Mühe, aufzustehen. Er hatte seine schwarzen Locken mit extrastarkem Haargel in eine eckige Form zwingen lassen, die in Widerspruch zu seinem runden Gesicht stand. Er beugte sich vor, und Schneider konnte nur mutmaßen, ob gerade der Mann oder sein pompöser Sessel unter der Belastung der etlichen Pfunde Geräusche erzeugten.

“Das muss man Ihnen lassen, Herr Schneider: Sie sind sehr mutig. Ich muss zugeben, wenn ich an der Ermordung eines Mannes beteiligt gewesen wäre, würde ich mich nicht trauen, seinen Sohn zu besuchen.”

“Schön, dass wir so schnell zum Thema kommen können, Don Roberto. Ich besuche Sie heute, um genau darüber mit Ihnen zu sprechen. Sehen Sie, Ihr Vater ist aus einem fahrenden Auto heraus erschossen worden und ich gebe zu, dass ich den Fahrer dieses Wagens gestellt habe. Aber wir betrachten uns da als Werkzeuge, genau so, wie das Auto und die Waffe Werkzeuge waren.”

“Es wäre mir auch ein Vergnügen, zu sehen, wie das Auto in der Schrottpresse landet.”

“Ich kann das natürlich verstehen. Aber ich möchte Ihnen vorschlagen, diesen Standpunkt im Sinne des Geschäftes noch einmal zu überdenken: Sie verwenden wertvolle Ressourcen darauf, sich mit uns zu beschäftigen und unserem Unternehmen zu schaden – dabei wären wir als Geschäftspartner für Sie vielleicht viel interessanter. Sie wissen ja, dass wir die führenden Spezialisten sind, wenn es um alle möglichen Transportfragen geht …”

“Das ist wirklich fantastisch! Antonio, hast Du je einen Mann gesehen, der so dreist war? Wirklich, Herr Schneider, das übertrifft alles! Anstatt mich um Entschuldigung zu bitten und um Gnade zu flehen, versuchen Sie, mich als Kunden zu akquirieren?”

 Posted by at 22:25
Mrz 172012
 

Mit dem Cabriolet über die Autobahnen der jungen Bundesrepublik … Da fährt man schon so ein seltenes Auto und wird trotzdem noch verwechselt!

Kurzgeschichte, 3300 Wörter , 0,99 €, zu finden hier

 

“Ehrlich, Burkhard, das finde ich riesig, dass ich endlich mal die legendäre Schneider-Sammlung sehen darf, und ich will auch nicht unhöflich sein, aber ich hatte schon ein bisschen mehr erwartet als – wieviele sind das? Sechzehn, siebzehn Autos?”

“Hatte ich Dir nicht erzählt, dass wir heute nur den Teil besichtigen, von dem die Polizei besser nichts wissen sollte? Wir haben noch zwei Hallen drüben in der Stadt, aber das ist mir jetzt zu spät, um da noch hinzufahren … Meine Bescheidenheit verbietet mir, mit der genauen Zahl zu protzen, aber wir haben im Laufe der Jahre schon eine dreistellige Zahl zusammengetragen …”

“Also ist das hier das Schatzkästchen? Dann entschuldige ich mich vieltausendmal für meine dumme Bemerkung und fühle mich höchst geehrt, dass Du mich hierhin gebracht hast!”

“Ach, komm, Alison, Du weißt, dass ich Dich schätze, als wenn Du eines meiner Enkelkinder wärst!”

“Ich verstehe nur nicht, warum Ihr Autos aufbewahrt, von denen die Polizei nichts wissen soll?”

“Reine Sentimentalität. Sag es bloß nicht weiter, unser Ruf wäre hinüber, wenn unsere Kunden wüssten, dass wir Beweismaterial lagern.”

“Darf ich daraus schließen, dass jeder dieser Wagen eine Geschichte hat? Was ist denn mit dem hier, zum Beispiel? Das ist doch ein 190 SL, oder?”

“Ja, stimmt, Du kennst Dich gut aus, junge Dame!”

“Jeder, der mit Euch ein bisschen Zeit verbringt, wird irgendwann infiziert; ich schätze, das ist unvermeidlich. Und ich muss zugeben, nachdem Bert mir ein paar Tricks am Lenkrad gezeigt hatte, fand ich Autos gleich interessanter … Aber nochmal zu dem Mercedes: Ungewöhnliche Farbe! Ich kenne den nur in Silber – Schwarz mit roten Sitzen habe ich noch nie gesehen … und besonders geschmackssicher ist das auch nicht, wenn Du mich fragst!”

“He, Vorsicht! Ich habe mir diese Farben seinerzeit genau so ausgesucht!”

“Was, echt? Und wieso steht der jetzt hier, bei den Illegalen? Erzähl schon!”

“Also, 1957, da war ich zweiundzwanzig, so alt wie Du jetzt. Nur viel dümmer und arroganter. Bernhard hatte mich mit ins Geschäft geholt, was ich eigentlich nicht wollte. Aber Baldur, der mittlere von uns drei Brüdern, war nicht mehr aus russischer Gefangenschaft zurück gekommen, also musste ich ran, wohl oder übel. Mit meinen ersten Aufträgen hatte ich genug Geld verdient, einen 190 SL zu kaufen, immerhin fast siebzehntausend Mark! Wovon mehr als die Hälfte über einen Kredit finanziert wurde, aber das war mir egal, Hauptsache, ich konnte protzen und Mädchen abschleppen.

Eines Tages, Ende Oktober, kam ein Auftrag rein, den Bernhard mir zuschanzte: Eine Kurierfahrt von München nach Bonn, lediglich eine Aktentasche war zu transportieren. In meiner Überheblichkeit habe ich mein eigenes Auto genommen, was sollte schon passieren?

 Posted by at 22:11