Jan 302012
 

Gleich und Gleich: Der nicht ganz so glücklich verheiratete Herr Seifert trifft einen Verwandten im Geiste.

Zwillinge: Zwillinge planen einen Mord – wie werden sie das bloß mit dem Alibi machen?

Zwei Kurzgeschichten, je ca. 1800 Wörter, 0,99 €, zu finden hier

 

Gleich & Gleich:

“Das dauert wieder!”
Herr Seifert hatte den Herrn, der neben ihm saß, nicht bemerkt, bis der diese Bemerkung fallen ließ.
“Bei Ihrer Frau auch?”
Herr Seifert sah sich verpflichtet, auf die direkte Ansprache zu antworten. Das erschien ihm ein Gebot der Höflichkeit, obwohl er sich in seiner Ruhe gestört fühlte.
“Ja, so sind sie halt …” Herr Seifert versuchte, möglichst unverbindlich zu bleiben und starrte weiterhin den Vorhang der Umkleidekabine an. Den direkten Augenkontakt vermied er lieber, um seinen Sitznachbarn nicht zu weiteren Gesprächsversuchen zu ermutigen. Aber der ignorierte, dass er ignoriert werden sollte.
“Fürchterlich! Meine hat sich vier Hosen gegriffen, jetzt wird jede einzelne anprobiert und fünf Minuten lang mit extra-kritischem Blick darauf hin untersucht, wie dick ihr Hintern damit wirkt. Ich sitze hier, verschwende zwanzig Minuten meines Lebens mit Warten, bis Madame geruhen, mich um ein Urteil zu bitten; und wenn ich dann vorsichtig zu bedenken gebe, dass das favorisierte Beinkleid unvorteilhaft aussieht, ist sie beleidigt und holt sich noch einen Schwung Hosen. Und ich darf weiter hier sitzen wie ein Idiot.”
Herr Seifert war irritiert: Er selber war eher zurückhaltend und hätte sich niemals einem Fremden gegenüber so offenbart, gar über den Gesäßumfang seiner Gattin debattiert. Obwohl: Die Problematik kannte er natürlich ebenfalls. In sechsundzwanzig Ehejahren war auch er in so manches Fettnäpfchen getreten. Aber irgendwie rauft man sich ja doch zusammen; das Geheimnis einer guten Ehe ist schließlich Kompromissbereitschaft. Herr Seifert wollte dem Fremden nicht zustimmen, weil das ja heißen würde, dass er hinter ihrem Rücken über seine Frau lästerte, aber andererseits fühlte er sich der Solidargemeinschaft der Ehemänner verpflichtet.
“Ich bin sowieso eher für Röcke …”
Der Unbekannte nahm den Ball auf: “Sagen Sie nichts mehr, ich weiß Bescheid! Sie haben das ein einziges Mal Ihrer Frau gegenüber erwähnt, aber die hat ein Mordspalaver gemacht, dass wir nicht mehr im neunzehnten Jahrhundert leben, Frauen durchaus Hosen tragen können und dass Röcke nur dazu dienen, die Rollenklischees zu festigen und so weiter – das ganze Suffragetten-Programm!”
Herr Seifert war verblüfft: Fast genau so war es tatsächlich gewesen. Es fehlte allerdings noch der spöttische Hinweis darauf, dass er wohl nicht gerade ein Fachmann für Modefragen sei, schließlich suche sie ihm schon seit etlichen Jahren die Kleidung aus – wer weiß, wie er sonst rum laufen würde.
“Ja, da gucken Sie, mein Lieber! Das ist aber keine Telepathie – das ist die universale Erfahrung gutmütiger Ehemänner!” Der Mann zwinkerte ihm über die Ränder seiner Brille zu.
Frau Seifert trat aus der Kabine.
“Was sagst Du zu der hier?”
Sie hatte eine enge, schwarze Caprihose ausgesucht, die ihre Figur betonte. Herr Seifert musste nicht zur Seite schauen, um zu wissen, dass sein Gesprächspartner mit Mühe ein breites Grinsen unterdrückte.
“Steht Dir ausgezeichnet!” log er und wusste genau, dass diese Worte sie nicht davon abhalten würden, ein weiteres halbes Dutzend Hosen über ihre Oberschenkel zu zwängen, in der Hoffnung, bei wenigstens einer davon würde der Bund ausreichend weit sein. Frau Seifert verschwand wieder in der Kabine. Der Mann hatte sich in Luft aufgelöst, wahrscheinlich war seine Frau doch schon zu einer Entscheidung gekommen und er war ihr zur Kasse gefolgt. Herr Seifert war ein bisschen empört über die Unhöflichkeit, nicht mit einem Abschiedswort bedacht worden zu sein.

 

Zwillinge:

“Manu und Dani, die sexy Zwillinge”, so hat man uns früher genannt. Und jeder, aber auch wirklich jeder, der uns zum ersten Mal sah, musste seinen Gedanken aussprechen, wie ähnlich wir uns sehen würden.
Logisch, Zwillinge eben, eineiige noch dazu.
Wobei Daniela und ich an dem “sexy” in “sexy Zwillinge” wenig schuld hatten. Gut, wir sind nicht hässlich. Wir sehen sogar ganz gut aus, wenn ich das mal sagen darf, ohne direkt als eingebildet zu gelten. Aber wir waren nie bewusst aufreizend. Und tatsächlich ist es romantischen Beziehungen eher abträglich, wenn man einen Zwilling hat.
Weil: Es heißt immer, zwischen Zwillingen bestünde ein nahezu telepathisches Band, wobei der Eine angeblich weiß, was der Andere gerade denkt und fühlt. Das liegt darin begründet, dass Zwillinge gleich alt sind, unter gleichen Umständen aufwachsen, eventuell noch die gleichen Klamotten tragen und so weiter. Wenn man die gleichen Erfahrungen sammelt, zieht man daraus die gleichen Konsequenzen, oder zumindest sehr ähnliche. Daher der Mythos.
Und dieser Mythos nervt. Die Leute gehen davon aus, dass alles, was sie meiner Schwester erzählen, mir auch sofort bekannt ist. Sie gehen davon aus, dass alle meine Meinungen mit denen von Daniela übereinstimmen müssen.
Eben deshalb sind romantische Beziehungen sehr schwierig: Jeder von Danis Freunden hatte das Gefühl, dass ich irgendwie mit im Boot wäre, dass ich größeres Vertrauen genieße, irgendwie näher an ihrem Herzen wäre, oder was auch immer man für eine schmalzige Umschreibung wählen will. Umgekehrt natürlich genauso. Klar, ich war immer ihre Anlaufstelle, wenn es mal wieder nicht geklappt hatte, aber ich habe mich nie eingemischt. Wir hatten sogar die Vereinbarung, uns nichts zu erzählen über die jeweiligen Bekanntschaften. Aber das hat nichts geholfen: Der andere Zwilling bleibt das Objekt von Eifersüchteleien.
Deshalb, als wir ungefähr Zwanzig waren, haben wir uns entschlossen, dass wir getrennte Wege gehen. Ich hatte gerade ein Angebot für einen Job im Ruhrgebiet, Dani ist nach Offenbach gezogen, wir haben beide neue Freundeskreise aufgebaut, die wir sorgfältig voneinander getrennt hielten. Das klappte großartig. Klar, wir hatten noch Kontakt, vor allem per Email. Und natürlich haben wir uns bei den Festen der Verwandtschaft getroffen, Geburtstage, Weihnachten, das Übliche.
Vor drei Jahren hat sie dann einen Mann kennen gelernt, mit dem es ernst wurde: Justin war ein gut aussehender Bursche, eigentlich ganz nett, aber er hatte etwas an sich, was mir schon auf den Fotos, die sie mir schickte, nicht gefiel. Aber ich konnte damals nicht den Finger drauf legen. Als Dani ihn dann – Weihnachten, vor zwei Jahren – zu meinen Eltern mitbrachte, wusste ich, dass sie schon die Hochzeitsglocken läuten hörte. Er aber bestätigte mein schlechtes Gefühl: Er nahm mich im Laufe des Abends beiseite und fragte mich: „Ey, Manu, was hältst Du von einem flotten Dreier? Dani, Du und ich?“. Ich war natürlich empört; er tat so, als ob das nur ein Scherz gewesen wäre und entschuldigte sich damit, dass der Alkohol aus ihm sprechen würde.

 

 

 Posted by at 19:54
Jan 202012
 

Die Cover von “Die lustigsten Heimvideos” und “Soranya und die Druoiden” habe ich ein bisschen geändert, für bessere Erkennung der Titel auch beim Thumbnail.

An “Hauteng” habe ich jetzt noch “Die Tod” drangehängt. Bei “Die Tod” hatte ich immer ein bisschen Gewissensbisse, weil die Geschichte ziemlich kurz ist. Ein Doppelpack ist vielleicht reizvoller, für 99 Cent.

Alle Geschichten haben jetzt Leseproben von anderen Geschichten angehängt.

Mal sehen, ob sich diese Veränderungen in den Verkäufen niederschlagen.

 Posted by at 08:25
Jan 202012
 

Amazon fasst die monatlichen Verkäufe in einer Excel-Tabelle zusammen, auf die man ungefähr zum 15. des Folgemonats zugreifen kann. Die Tabelle für Dezember ist seit ein paar Tagen bereit, ich konnte also einen Rückblick auf 2011 zusammenstellen.

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 Posted by at 08:17
Dez 072011
 

Wie hätte man diesen Post sonst nennen sollen?

Ich habe eine Forendiskussion verfolgt, in der es um die verkauften Exemplare und die resultierenden (angenommenen) Gewinne von Jonas Winners “Berlin Gothic” Romanreihe geht, deren erste drei Bände sich in den Amazon Kindle-Charts schon seit etlichen Wochen behaupten. In der Diskussion wurden ein paar Contra-Argumente angeführt, denen ich mit Fürsprechen begegnen will.

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 Posted by at 20:07
Nov 262011
 

Von Georg Christoph Lichtenberg stammt folgender schöner Spruch:

Was den Schriftsteller beliebt macht, ist nicht so wohl neue Empfindungen zu beschreiben, als vielmehr den gemeinsten einen Anstrich von Wichtigkeit zu geben und dem Leser dadurch glauben zu machen, er habe etwas so Ungewöhnliches gedacht, oder noch besser, gemeine Dinge so schön zu sagen, dass der Leser, den Gedanken nach dem Ausdruck schätzend, zu glauben anfängt er habe würklich einen großen Einfall gehabt, indem er etwas ehmals gedacht was sich schön sagen läßt.

Das hat er zwischen 1776 und 1779 in seinen Sudelbüchern, Heft F, notiert. Immer noch gültig.

 

 Posted by at 21:10
Okt 282011
 

Nicht unsere natürlich – die bewegen sich im Nano-Bereich. Ich habe mich aber schon länger gefragt, wieviel Prozent des eBook-Marktes Amazon abdeckt und wieviel die Anderen. Ein US-amerikanischer Autor und Selbstverleger hat seine Verkäufe in Tabellen gefasst: In der ersten Hälfte 2010 lagen seine Kindle-Verkäufe bei 90%, im 3. Quartal sind sie auf 60% gefallen, danach wieder stetig gestiegen bis zu knapp 80% im 3. Quartal 2011. Den Rest teilen sich iBooks, Kobo, Nook und LSI. Die beiden letzten gibt es in Deutschland nicht, bzw. spielen keine Rolle. Dafür haben wir Thalia, Weltbild und wer weiß wen noch.

Das ist ein Kleinverleger, in den USA – die Zahlen sind deshalb bestimmt nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragbar. Trotzdem vermute ich, dass Amazon hier eine ähnlich dominierende Rolle spielt, wie in den USA wahrscheinlich gefolgt von iBooks.

In den iBookstore will ich auch noch rein, aber man muss sich schon fragen, ob sich die Mühe lohnt, die Anderen ebenfalls zu entern.

Wer Zahlen hat, darf die gerne in den Kommentaren verlinken.

 

Nachtrag vom 25.11.: Hier habe ich einen Blog vom Mai gefunden, der die damals aktuellen Anteile aus einer Studie der GfK zog.

1. Apple iBookstore: 29 %
2. thalia.de:  19 %
3. Amazon:  12 %
4. buecher.de:  10 %
5. libri.de:  10 %

Sieht so aus, als müsste ich mich doch mal näher für die Welt ausserhalb Amazons interessieren. Auch wenn ich Herrn Kreutzer zustimme, wenn er schreibt:

Mit dem Start des deutschsprachigen Kindle-Angebots dürfte sich Amazon’s Marktanteil allerdings schnell vergrößern.

Wobei man hinzufügen sollte, dass mit dem Kindle der Markt auch grösser geworden ist; Herr Kreutzer wird das sicher auch so sehen. Soll heissen: Wenn Apple zum Zeitpunkt der Studie, was weiß ich, 29.000 Kunden hatte und Amazon 12.000, werden es mittlerweile bei Amazon vielleicht 80.000 sein, bei Apple 35.000. So lange der Maarkt noch im Wachstum begriffen ist, werden die Marktanteile weniger über abwandernde Kunden definiert, sondern vorrangig über neu gewonnene.

 Posted by at 22:26
Okt 212011
 

Bei der Interaktion mit Menschen hapert es ein wenig, aber Olliver hat zweihunderttausend kleine Plastikfreunde, die ihm mit dem Mädchen vom Menubringdienst helfen.

Kurzgeschichte, ca. 3300 Wörter, 0,99 €, zu finden hier

 

Der Weg von der Bushaltestelle war nicht weit, aber es war Olliver trotzdem unangenehm, die Strecke zu laufen: Zum Einen sind dreihundert Meter in der Sommerhitze ziemlich anstrengend für jemanden, der bei einer Größe von hundertsechsundsiebzig Zentimetern hundertachtzehn untrainierte Kilogramm auf die Waage bringt, zum Anderen wusste er genau, dass seine Nachbarn hinter ihren selbstgehäkelten Gardinen auf jeden Passanten schneller reagierten als die Bewegungsmelder, die ihre Haustürleuchten einschalteten. In einer Sackgasse, die nur von Rentnern bevölkert wurde, geriet jedes Auto zur Sensation, und wenn der verrückte Sohn von der merkwürdigen Witwe am Ende der Straße wieder heimkehrte (“Ich habe gehört, er war in ärztlicher Behandlung, wenn Sie wissen, was ich meine …” – “Weil er so dick ist?” – “Nein, er ist wohl nicht ganz richtig im Kopf!” – “Ah, das habe ich schon immer geahnt!”), dann musste das eine Flut von Tratsch auslösen.
Obwohl ihm der Schweiß von der Stirn in die Augen floss und ihm die Sicht trübte, und obwohl die Reisetaschen seine Arme immer weiter in Richtung Erdmittelpunkt dehnten, stapfte Olliver ohne Halt weiter. Als er endlich die vier Waschbetonstufen zur Haustür erklommen hatte, grinste er in grimmiger Genugtuung: Er hatte den verdammten Spießern nicht gegönnt, ihn bei einer Pause zu beobachten (“Guck mal, das fette Schwein ist schon nach hundert Metern außer Atem!” – “So wie der schwitzt, ist es ein Wunder, dass sich keine Pfütze auf dem Bürgersteig bildet!”).
Olliver schloss die kupferbeschlagene Tür auf, zog seine Taschen in den Flur und atmete auf: Endlich im Kühlen, endlich raus aus dem feindlichen Gebiet. Er rief nach seiner Mutter, bekam keine Antwort. Aus dem Wohnzimmer drang aber leises Kichern, also ging er hinein.
Na, das war ja eine Überraschung: Die Minifigs hatten den Raum mit Luftschlangen geschmückt, ein Transparent aufgehängt, auf dem “Willkommen daheim!” stand und warfen Konfetti in die Luft. Einer der Dr. Kilroys (im grauen Anzug, Set 7415) war von den anderen Minifigs dazu bestimmt worden, ein paar Worte zu sprechen – sein seriöser Bart prädestinierte ihn für solche Gelegenheiten.
“Olliver,” sprach der Dr. Kilroy, “wir alle haben Dich sehr vermisst und freuen uns, dass Du wieder bei uns bist.”
Das zustimmende Gemurmel aus etwa zweihunderttausend ABS- und Makrolonkehlen bewegte Olliver sehr.

Passend dazu, zufällig gerade im Netz drüber gestolpert: Eine Zeichnung aus dem Lego-Patent

 Posted by at 17:27
Okt 162011
 

Es ist so einfach. Ehrlich. Ich habe mal ein Fake-Konto angelegt und begleitende Screenshots gemacht. Folgen Sie der Anleitung und in zehn, vielleicht fünfzehn Minuten haben Sie Ihr eigenes Konto bei Amazon erstellt.

Sie können dann Ihre Bücher selbst verlegen. 70% Tantiemen… vergleichen Sie, wieviel Ihnen Ihr Verleger für eBooks bietet.

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 Posted by at 19:03
Okt 072011
 

Die ersten vier Kurzgeschichten, die wir hochgeladen haben, sind mit dem Amazon-eigenen Kopierschutz versehen; also “Hauteng”, Die Tod”, “Ein echter Kenner” und “Kein Heldentod”. Danach haben wir diese Funktion nicht mehr aktiviert und werden das auch nicht mehr tun. Sie erkennen das an folgender Zeile bei den Produktinformationen: “Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung”

Unser Kopierschutz heißt Vertrauen™ 1.0, der hat sich schon seit Tausenden von Jahren bewährt. Sie erwerben von uns ein Produkt im Vertrauen darauf, dass es Sie unterhält und Ihnen nicht etwa Scherereien bereitet. Wir vertrauen darauf, dass Sie den Wert (hoffentlich) guter Unterhaltung zu schätzen wissen.

Wir sind davon überzeugt, dass Anstand immer noch überwiegt und die allermeisten Leser unsere Dateien so behandeln wie ein echtes Buch. Und wenn Sie mal einem Freund oder einer Freundin Kopien von einer oder zwei unserer Geschichten machen, um ihn oder sie anzufixen, dann soll uns das auch recht sein. Wir verlassen uns auf Ihr Augenmaß.

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 Posted by at 08:27