Warning: Declaration of Suffusion_MM_Walker::start_el(&$output, $item, $depth, $args) should be compatible with Walker_Nav_Menu::start_el(&$output, $item, $depth = 0, $args = Array, $id = 0) in /homepages/4/d110179707/htdocs/wp-content/themes/suffusion/library/suffusion-walkers.php on line 39

admin

Okt 212011
 

Bei der Interaktion mit Menschen hapert es ein wenig, aber Olliver hat zweihunderttausend kleine Plastikfreunde, die ihm mit dem Mädchen vom Menubringdienst helfen.

Kurzgeschichte, ca. 3300 Wörter, 0,99 €, zu finden hier

 

Der Weg von der Bushaltestelle war nicht weit, aber es war Olliver trotzdem unangenehm, die Strecke zu laufen: Zum Einen sind dreihundert Meter in der Sommerhitze ziemlich anstrengend für jemanden, der bei einer Größe von hundertsechsundsiebzig Zentimetern hundertachtzehn untrainierte Kilogramm auf die Waage bringt, zum Anderen wusste er genau, dass seine Nachbarn hinter ihren selbstgehäkelten Gardinen auf jeden Passanten schneller reagierten als die Bewegungsmelder, die ihre Haustürleuchten einschalteten. In einer Sackgasse, die nur von Rentnern bevölkert wurde, geriet jedes Auto zur Sensation, und wenn der verrückte Sohn von der merkwürdigen Witwe am Ende der Straße wieder heimkehrte (“Ich habe gehört, er war in ärztlicher Behandlung, wenn Sie wissen, was ich meine …” – “Weil er so dick ist?” – “Nein, er ist wohl nicht ganz richtig im Kopf!” – “Ah, das habe ich schon immer geahnt!”), dann musste das eine Flut von Tratsch auslösen.
Obwohl ihm der Schweiß von der Stirn in die Augen floss und ihm die Sicht trübte, und obwohl die Reisetaschen seine Arme immer weiter in Richtung Erdmittelpunkt dehnten, stapfte Olliver ohne Halt weiter. Als er endlich die vier Waschbetonstufen zur Haustür erklommen hatte, grinste er in grimmiger Genugtuung: Er hatte den verdammten Spießern nicht gegönnt, ihn bei einer Pause zu beobachten (“Guck mal, das fette Schwein ist schon nach hundert Metern außer Atem!” – “So wie der schwitzt, ist es ein Wunder, dass sich keine Pfütze auf dem Bürgersteig bildet!”).
Olliver schloss die kupferbeschlagene Tür auf, zog seine Taschen in den Flur und atmete auf: Endlich im Kühlen, endlich raus aus dem feindlichen Gebiet. Er rief nach seiner Mutter, bekam keine Antwort. Aus dem Wohnzimmer drang aber leises Kichern, also ging er hinein.
Na, das war ja eine Überraschung: Die Minifigs hatten den Raum mit Luftschlangen geschmückt, ein Transparent aufgehängt, auf dem “Willkommen daheim!” stand und warfen Konfetti in die Luft. Einer der Dr. Kilroys (im grauen Anzug, Set 7415) war von den anderen Minifigs dazu bestimmt worden, ein paar Worte zu sprechen – sein seriöser Bart prädestinierte ihn für solche Gelegenheiten.
“Olliver,” sprach der Dr. Kilroy, “wir alle haben Dich sehr vermisst und freuen uns, dass Du wieder bei uns bist.”
Das zustimmende Gemurmel aus etwa zweihunderttausend ABS- und Makrolonkehlen bewegte Olliver sehr.

Passend dazu, zufällig gerade im Netz drüber gestolpert: Eine Zeichnung aus dem Lego-Patent

 Posted by at 17:27
Okt 162011
 

Es ist so einfach. Ehrlich. Ich habe mal ein Fake-Konto angelegt und begleitende Screenshots gemacht. Folgen Sie der Anleitung und in zehn, vielleicht fünfzehn Minuten haben Sie Ihr eigenes Konto bei Amazon erstellt.

Sie können dann Ihre Bücher selbst verlegen. 70% Tantiemen… vergleichen Sie, wieviel Ihnen Ihr Verleger für eBooks bietet.

Continue reading »

 Posted by at 19:03
Okt 072011
 

Die ersten vier Kurzgeschichten, die wir hochgeladen haben, sind mit dem Amazon-eigenen Kopierschutz versehen; also “Hauteng”, Die Tod”, “Ein echter Kenner” und “Kein Heldentod”. Danach haben wir diese Funktion nicht mehr aktiviert und werden das auch nicht mehr tun. Sie erkennen das an folgender Zeile bei den Produktinformationen: “Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung”

Unser Kopierschutz heißt Vertrauen™ 1.0, der hat sich schon seit Tausenden von Jahren bewährt. Sie erwerben von uns ein Produkt im Vertrauen darauf, dass es Sie unterhält und Ihnen nicht etwa Scherereien bereitet. Wir vertrauen darauf, dass Sie den Wert (hoffentlich) guter Unterhaltung zu schätzen wissen.

Wir sind davon überzeugt, dass Anstand immer noch überwiegt und die allermeisten Leser unsere Dateien so behandeln wie ein echtes Buch. Und wenn Sie mal einem Freund oder einer Freundin Kopien von einer oder zwei unserer Geschichten machen, um ihn oder sie anzufixen, dann soll uns das auch recht sein. Wir verlassen uns auf Ihr Augenmaß.

Continue reading »

 Posted by at 08:27
Sep 262011
 

Soranya wird von den Druoiden zur Rettung Ponselands rekrutiert, eine schwierige Aufgabe, aber der Sturz der Üblen Königin Aphylaksia ist ein hehres Ziel. Handeln die Druoiden wirklich völlig selbstlos, als sie Soranya aufrüsten?

Fantasy-Kurzgeschichte, ca. 2000 Wörter, 0,99€, zu finden hier

 

Die alten Weiber sagen, tief im Walde von Madremille fische das knochenfarbene Licht der Zwillingsmonde mit dem Schattennetz der wogenden Zweige nach den Seelen verirrter Wanderer, und jedes Zittern der Luft würde ein lautes Heulen aus den Kehlen der auf ewig verdammten Beute reißen.
Die Kinder der umliegenden Dörfer sollten mit diesem Märchen vom Walde fern gehalten werden, damit sie den Greiflianen der Dutzendmägen-Pflanzen nicht zum Opfer fielen. Aber obwohl Soranya kein Kind mehr war, musste sie sich eingestehen, dass die ständigen Bewegungen am Rande ihres Gesichtssinnes mehr und mehr an ihrem Mut zehrten und sie langsam in das ängstliche, kleine Mädchen zurück verwandelten, das sie vergessen geglaubt hatte. Wütend hieb sie mit ihren Ewigen Fackeln flüchtige Kratzer aus Licht in das undurchdringliche Fleisch der Dunkelheit, um die stetigen Angriffe der vierarmigen Grozums abzuwehren, die ihre Rüssel zu gerne in Soranyas Haut bohren wollten. Diese Nacht musste sie tapfer sein, sie spürte deutlich, wusste es geradezu, dass ihr Leben in der nächsten Stunde eine dramatische Wende nehmen würde. Aber in welche Richtung?
Was konnten die Druoiden nur wollen – ausgerechnet von ihr? Die Einladung, um Mitternacht zur Lichtung der liebenden Toten zu kommen, war mehr Bitte als Befehl gewesen, und wenn die Druoiden, diese mächtigen, mechanischen Mentoren der Menschheit, Soranyas Hilfe erbaten, dann standen die Dinge wohl schlimmer, als sie bisher angenommen hatte. Sie war nur eine einfache Magd; sie hatte zwar davon geträumt, aber nicht ernsthaft erwartet, dass ihr Name je in einem Vers der Geschichtssänger Ponselands zu hören sein würde.
Durch das Gewirr der Flora zwängte sich ein jadefarbenes Schimmern: In wenigen Sekunden würden Soranyas Fragen beantwortet werden.
Sie atmete tief ein, trat auf die Lichtung und fand sich den drei Druoiden ihrer Oktasphäre gegenüber: Iddrufh, Blasigjk und Masurkas. Sie hatte die Druoiden bisher nur aus einiger Entfernung gesehen und war sofort von der Intensität der Borgon-Aura gebannt, die die Köpfe der imponierend großen Messing-Menschen in gelassener Würde umwogte und dabei die tanzenden Flammen von Soranyas Ewigen Fackeln zu billigem Zwecklicht degradierte.
Iddrufh ging auf Soranya zu, das Borgon wechselte seine Farbe von dem neutralen Jadeton zu einem warmen Willkommensrot, die Wogen, die die Oberfläche in Bewegung gehalten hatten, glätteten sich bis zum Stillstand; Iddrufhs Messinggesicht wurde nun durch das Borgon zu einem Schädel ergänzt, der aber von menschenähnlichen Proportionen weit entfernt war.
“Soranya, welch eine Freude, Dich zu sehen; ein heller Stern in der finsteren Nacht menschlicher Gleichgültigkeit!”
Iddrufhs Stimme glitt in Soranyas Ohren wie die schmeichelnde Melodie eines Bänkelsängers, der den Frühling zu seiner Geliebten erklärte. Der Klang durchdrang ihre Haut und ihre Knochen, bis er auf ihr Herz traf und es in Schwingung versetzte, damit es ein wenig schneller schlage.
“Ich bin Eures Lobes nicht würdig, ehrenwerter Herr!”
“Doch, Soranya, doch, das bist Du durchaus!”
Iddrufh legte seine Hand auf ihre Schulter. Ein leichtes Kribbeln fuhr durch ihren Arm und ließ Soranyas Finger zucken, ohne dass sie sich dagegen wehren konnte oder wollte. Iddrufhs Aura verdunkelte sich zu der Farbe edlen Weins.
“Die Zeiten sind übel, mein Kind, und die Zeichen stehen schlecht! Unsere Helden sind alle tot, besiegt durch List, Verrat und Ehrlosigkeit … Auf dem Grabe der Hoffnung wachsen die schwarzen Blumen der Verzweiflung – jetzt sind es die kleinen Leute, die großen Mut aufbringen müssen! Soranya, wir sind sicher, dass Du Deinen Teil dazu beitragen willst, Ponseland wieder ins Licht zu führen!”
“Ich will gerne mein Bestes geben, Herr Iddrufh, aber sagt mir: Wie soll ein schwaches Weib gegen die Armee der Zauberatoren bestehen?”

 Posted by at 21:15
Aug 232011
 

Herbert Spindler empfindet sein rechtes Bein nicht als sein eigenes. Von den Ärzten im Stich gelassen, nimmt er die Amputation in Heimwerkermanier vor. Aber die Dinge entwickeln ein unerwartetes Eigenleben…

Eine makabre Kurzgeschichte zum Thema Body-Horror, ca. 3700 Wörter, 0,99 €, zu finden hier

 

Bevor Frau Doktor Bergmann den Mund aufmachte, hatte ihr mitleidig-skeptischer Blick das Fazit schon vorweg genommen: Sie würde Herbert Spindler das Bein nicht amputieren.
“Sehen Sie, Herr Spindler, ich bin Chirurgin und kann in Ihrem Fall keine verbindliche Diagnose stellen, aber ich vermute, bei Ihnen treffen zwei Krankheiten ganz unglücklich zusammen: Zum Einen die sogenannte BIID, Body Integritiy Identity Disorder, wie es in der Sprache der Medizin heißt – das ist das Gefühl, dass ein Körperteil nicht vorhanden sein sollte. Zum Anderen das Restless Leg Syndrome, der Drang, das Bein ständig zu bewegen.”
Herbert Spindler verspürte den Drang, Frau Doktor Bergmann mit dem Restless Fist Syndrome bekannt zu machen. Er hatte diese Diagnose so oder ähnlich schon von vierzehn anderen Ärzten gehört und war es leid, als psychisch kranker Halbdepp an Irrenärzte verwiesen zu werden. Das löste sein Problem nicht.
“Andere BIID-Kranke wollen sich von einem Körperteil befreien, weil er nicht zu dem geistigen Bild passt, das sie von Ihrem Körper haben. Aber bei Ihnen sorgt das Restless Leg dafür, dass sie Ihr Bein als fremd empfinden.”
“Als Bein eines Fremden, um es präzise zu formulieren. Wenn ich tatsächlich spinne,” – Frau Doktor Bergmann machte beschwichtigende Gesten, um Vertrauen in Herbert Spindlers geistige Gesundheit vorzutäuschen – “… wie erklären Sie sich dann die Unterschiede im Aussehen meiner Beine? Das linke ist behaart, das rechte nur sehr wenig. Links: Muskeln, Sehnen. Rechts: Weiches Fleisch. Manche Frau wäre froh, so ein schönes Bein zu haben. Oder besser: Zwei davon.”
Sarkasmus, die letzte Zuflucht des Gescheiterten, dachte Herbert Spindler, denn er wusste, dass Frau Doktor Bergmann alle Argumente weg-erklären würde, die er auf den Tisch brachte.
“Was es mit der Behaarung auf sich hat, kann ich nicht sagen…”
„Ihre Kunstpause sagt es um so deutlicher: Sie vermuten, dass ich das selber mit Rasierer oder Wachs mache, und dass ich es vielleicht nicht einmal weiß!’
“… aber die unterschiedliche Muskelausbildung resultiert wahrscheinlich aus der unterschiedlichen Beanspruchung: Sie haben kein Vertrauen in Ihr rechtes Bein, deshalb belasten Sie es auch nicht. Das linke dafür um so mehr.”
Herbert Spindler fragte sich, ob er noch weiter diskutieren sollte, aber Frau Doktor Bergmanns Ignoranz würde ihn nur wütend machen. Die Wut würde ihm kurzfristig Auftrieb geben, er würde sich im Recht fühlen, unverstanden, trotzig gegen eine feindliche Welt rebellieren. Aber was nützte das schon? Frau Doktor Bergmanns Haltung war aus Ihrer Sicht verständlich, vielleicht würde er in Ihrer Position genauso handeln.
Er hatte in den vergangenen Wochen nicht alle Ärzte in Deutschland befragt, aber mit Frau Doktor Bergmann waren es jetzt fünfzehn, die seinen Wunsch nach einer Amputation kategorisch abgelehnt hatten. Eine ausreichend große Stichprobe für die Annahme, dass er hierzulande niemanden Qualifizierten finden würde, der ihn auf medizinisch unbedenkliche Weise von dem Bein befreien würde. Westeuropa fiel wahrscheinlich komplett flach. In Schottland hatte ein Arzt vor etlichen Jahren zwei armen Schweinen geholfen, die an BIID litten und ihnen irgendwelche Gliedmaßen amputiert. Aber nachdem das bekannt worden war, schwappte eine Welle der Entrüstung durch die Welt der Weißkittel und man ließ die Leute lieber komplett. Unglücklich, aber der Norm nach vollständig.
Osteuropa? Dort würde er vielleicht jemanden finden. Aber ob der medizinische Standard seinen Ansprüchen genügen würde? Das Bild eines glasbausteinbebrillten Pferdemetzgers mit Benzin-Kettensäge blitzte durch Herbert Spindlers Kopf, er sah sich in einer schimmeligen ehemaligen Folterkammer des KGB auf einen angeblich aus Edelstahl gefertigtem, tatsächlich aber arg rostigen Tisch geschnallt; eine vollbusige Brünette in knallenger Krankenschwesternuniform – lange Beine in kurzem Rock, Schmollmund mit blutrotem Lippenstift auf den Mundschutz geschminkt – entleert eine Halbliterspritze grau-grün-violetten Blubberschleim in seinen Arm, streicht ihm über den Kopf und lallt mit Wodkafahne in sein Gesicht: ‘Wenn Du wieder aufwachst, bist Du das böse Bein los, mein armer Kleiner! Oder besser: Falls Du wieder aufwachst!’ Krankenschlampe und Pferdemetzger lachen hysterisch, die Säge heult auf und Frau Doktor Bergmann sagt:
“Geht es Ihnen nicht gut, Herr Spindler?”
“Doch, ja. Es geht mir gut. Schade, dass Sie mir nicht helfen konnten. Ich gehe dann jetzt mal. Vielen Dank für Ihre Mühe.”

*

Zweiundzwanzig Tage später war ich bestens vorbereitet, das Bein selber in die Hand zu nehmen.

 Posted by at 21:18
Aug 182011
 

“Kein Keldentod” ist die Nummer drei in der Bestsellerliste “Kindle-Shop > eBooks > Belletristik > Kurzgeschichten & Anthologien”!

Wahnsinn! Ich werde reich! Morgen trete ich meinem Chef in den Arsch und schmeiß’ die Brocken hin!

Tatsächlich hat diese Geschichte ganze 3 (drei) Käufer gefunden.

Natürlich freue ich mich darüber und hoffe vor allem, dass diese drei Menschen sich gut unterhalten fühlen und die 99 Cent nicht bereuen, die sie jeweils ausgegeben haben. Je 30 Cent davon landen in meiner Tasche und mir wäre schon recht, wenn die Leser/Käufer der Meinung sind, dass ich das Geld auch tatsächlich verdient hätte.

Aber das zeigt doch zwei Dinge sehr deutlich: Zum Einen, dass man nur die Kriterien eng genug stecken muss, um irgendwo zu brillieren. Dann kann man z.B. auch behaupten, dass Frau Merkel die beste Bundeskanzlerin ist, die Deutschland je hatte. Unter “Bezahlt im Kindle-Shop”, also bei allen verkauften Ebooks überhaupt, sieht die Sache schon wieder anders aus: Platz 1876.

Das führt zum anderen Aspekt: Platz 1876 ist für drei verkaufte Exemplare auch nicht sooo weit hinten, wie man annehmen sollte. Ich schließe daraus, dass die Kindle-Verkäufe generell noch nicht so signifikant sind, wie man uns das gerne weis- und miesmachen will.

Aber das ist ok. Früher oder später wird hierzulande auch der Boom los gehen, dann freuen wir Prosaschleuderer uns, dass wir von Anfang an dabei waren.

 

Edit, 24 Stunden später: Abgerutscht auf Platz 13 bei den Kurzgeschichten, Platz 4985 bei “Bezahlt im Kindle-Shop”. Verdammt! Wo sind meine Anti-Depressiva?

Ich habe von Autoren gelesen, die solche Plazierungen mit großem Eifer beobachten – ich denke, die werden ziemlichen Gemütsschwankungen ausgesetzt sein. Da diese Plazierungen aber offensichtlich auf recht mickrigen Zahlen beruhen, sind die meiner Meinung nach nur wenig relevant. Ich bin fest entschlossen, mich davon nicht hypnotisieren zu lassen…

 Posted by at 19:56
Jul 062011
 

Der Wikipedia-Artikel über Kurzgeschichten enthält folgendes Zitat:

In den Zeiten des Internets erlebt die Gattung in zahlreichen Portalen ein Revival, auch als literarische Form, die Laien für geeignet halten, ihre Probleme aufzuarbeiten.

Das ging gestern abend zwischen den Prosaschleuder-Autoren hin und her. Wir haben versucht, gegenseitig von den Kurzgeschichten auf die Probleme des jeweiligen Autoren zu schließen. Jarno und Vanessa stimmten überein, daß Frank sich am Besten gleich einweisen läßt.

Nein, wir wollen Ihnen nicht unsere Probleme aufdrängen. So interessant sind die wirklich nicht. Und wir mögen sie nicht aufblähen – hätten wir dazu Talent, würden wir Scripted-Reality-Soaps schreiben.

Warum also Kurzgeschichten? Obwohl man annehmen sollte, dass die im elften Monat bedeutungsschwangeren Kurzgeschichten der deutschen Nachkriegsautoren, mit denen man in der Schule versucht hat, uns die Lust an der Sprache allgemein und der Kurzgeschichte speziell zu verderben, sind wir alle Drei große Fans dieses Formats.

Zum Einen, weil es ein für den Leser praktisches Format ist: Die Kurzgeschichte ist ein kleiner Happen Unterhaltung vor dem Einschlafen, oder auch die perfekte Klolektüre. Und das sind ja fast die einzigen Gelegenheiten, an denen der moderne Mensch noch im Alltag Muße findet, sich mit Prosa zu beschäftigen (die andere Gelegenheit ist der dicke Schmöker, der Roman, der im Urlaub am Strand gelesen wird – aber das ist nun mal leider nicht der Alltag).

Zum Anderen mögen wir die Kurzgeschichte eben wegen Ihrer Kürze. Man will sich ja weder als Autor noch als Leser dauernd an Wortlabyrinthen abrackern, die womöglich über mehrere Bücher oder – noch schlimmer – über vierstellige Seitenzahlen reichen. Manche Ideen tragen auch einfach nicht über einen ganzen Roman, sind aber zu schade, sie dazu aufzublähen. Und mehrere unzusammenhängende Ideen aneinander zu flicken, nur um die magischen 300 Seiten voll zu bekommen, das ist nicht unser Ding.

Wir prophezeien: Mit der zunehmenden Verbreitung von E-Readern wird eine Wiederkehr der kurzen und kurzweiligen Lektüre einher gehen. Es heißt immer, daß wir in einer beschleunigten Ära leben – tatsächlich aber wird das Leben von reichlich Wartezeiten unterbrochen, die gefüllt werden wollen. Wenn Sie beim Zahnarzt, am Flughafen oder in der U-Bahn sitzen, können Sie die Nasenhaare Ihrer Mit-Warter zählen, auf Ihrem Iphone (oder dergl.) ein “Convenience Game” spielen, oder eben eine Kurzgeschichte lesen.

Wir hoffen, daß der Unterhaltungswert unserer Kurzgeschichten mit den Spielen mithalten kann. Daß wir die Nasenhaare nicht toppen können, ist uns klar – man ist ja Realist.

 Posted by at 09:47
Jul 022011
 

Der erste Beitrag von Vanessa:

Major Grubert verfolgte jahrelang die Spur des legendären Affen. Als er ihn endlich fand, reagierte der Goldene Gorilla nicht ganz so, wie Grubert sich das vorgestellt hatte … Auf der Flucht vor dem Primaten muß der Major die haarsträubenden Hindernisse überwinden, durch die auf dem Hinweg seine Gefährten auf allerlei abscheuliche Arten umgekommen sind.

Im Stil der Abenteuer-Romane des ausgehenden 19. Jahrhunderts gehalten.

Kurzgeschichte, ca. 6900 Wörter, 0,99 €, zu finden hier

 

An den Haken am obersten Punkt dieser vollkommen geschlossenen, hemisphärischen Kuppel war ein starkes Seil geknotet, das die Jahrhunderte offenbar unbeschadet überstanden hatte. Unsere Blicke folgten dem Seil bis zur Decke, wo es über eine Rolle in die Richtung der Säulen umgelenkt wurde. Von einem der Bögen zwischen den Säulen hing eine weitere Rolle, die das Seil wieder nach unten schickte. An diesem Ende des Seiles, kurz unter dem Säulenbogen, hing eine Kugel aus Granit, mit einem Durchmesser von etwa anderthalb Yard, ganz offensichtlich das Gegengewicht für die Kuppel, unter der der Goldene Gorilla gefangen sein musste. Manteca wies zu Recht auf die höchst sonderbare Tatsache, dass die bisherige Geschichtsschreibung noch nicht von den Futtjucken zu berichten wusste, obwohl sie doch immerhin schon den Flaschenzug kannten und daher größere architektonische Spuren hätten hinterlassen sollen.

Von der Kugel hing unten noch ein weiteres Seil hinab, daran klammerten wir uns und zogen, als ob wir zur Sonntagsmesse läuten wollten.

Die Halbkugel hob sich und tatsächlich: der Goldene Gorilla! Endlich! Ich wollte auf ihn zu stürzen, ihn berühren, aber ich musste der Versuchung widerstehen, durfte noch nicht loslassen, alleine schon um Mantecas willen, der das Gewicht alleine nicht hätte halten können und an die Decka katapultiert worden wäre. Nachdem wir es geschafft hatten, die Kugel bis auf wenige Inches über den Boden hinunter zu ziehen, befestigten wir das lose Ende des Seils an einem Haken unserer Bergsteigerausrüstung, den wir vorher in den Felsengrund getrieben hatten. Die Kuppel schwebte jetzt über dem Goldenen Gorilla, als ob eine unsichtbare Gigantin den Deckel einer Bonbonniere über der kostbarsten aller Pralinen hielt. Der Affe war enorm groß, obwohl er zusammengesackt vor sich hin dämmerte. Ich näherte mich vor Erregung zitternd vorsichtig diesem einzigartigen Zeugen der Vergangenheit und sah den riesigen Brustkorb in langsamer Bewegung an- und abschwellen.

“Er atmet, Umberto! Er lebt!”

“Das wird er Ihnen bald voraus haben, Major!”

Gute Güte, also doch! Der Verräter! Mein in hunderten Gefechten geschärfter Instinkt ließ mich hinter die nächstbeste Säule hechten, schon fiel ein Schuss und eine Kugel schwirrte hinter meinem Rücken vorbei. Manteca jagte ein weiteres Geschoss in den Pfeiler. Ich nutzte die Zehntelsekunde, die er brauchte, um erneut den Hahn seines Revolvers zu spannen, um einen schnellen Blick um die Säule zu werfen. Der Bastard hatte sich hinter der Granitkugel in Deckung gebracht.

“Nun, Major, ich schätze, Sie werden zu einem weiteren tragischen Opfer auf dieser vom Unglück verfolgten Expedition. Ihr am Boden zerstörter Diener wird alleine nach England zurückkehren müssen. Immerhin hat die treue Seele den Goldenen Gorilla dabei und man wird feststellen, dass Mantecas Abhandlung über den Affen durchaus das Niveau von Gruberts Berichten halten kann.”

Wieder schlug ein Projektil in die Säule, aber diesmal hatte er sein Lee-Metford-Gewehr abgefeuert.

“Für die Meisten wirst Du trotzdem nur ein stinkender, kleiner Emporkömmling sein, Umberto, und seit etwa einer halben Minute denke ich: zu Recht!”

Ich prüfte die Trommel meines Webley, in allen Kammern steckten Patronen.

“Mag sein, aber ich werde ein vermögender, stinkender, kleiner Emporkömmling sein. Da sie mich als Verwalter von Glastonburyshire eingesetzt haben, wird es nicht allzu schwer sein, den Rest Ihres Besitzes zu versilbern. Aber das ist nicht so wichtig. Viel schöner finde ich den Gedanken, dass Sie unwillentlich zum Steigbügelhalter meines Ruhmes werden. Für all die Jahre, in denen es umgekehrt war, wird mich das reichlich entschädigen.”

Manteca verlieh seinen Worten mit einem erneuten Schuss einigen Nachdruck. Er bemühte sich, in seiner Stimme die gelassene Überlegenheit des sicheren Siegers mitschwingen zu lassen, aber Bitterkeit und Hass verzerrten den Klang zu einem dissonanten Geräusch, das ich bei anderer Gelegenheit für Möwenkreischen gehalten hätte.

 Posted by at 20:29